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Der Klobunzeleweg und der Terra Nostra Weg

Marktoberdorf / Allgäu

08. Oktober 2007

Wanderweg rund um den Ettwieser Weiher.

Alle weiss umrahmten Bilder können zum vergrössern angeklickt werden.

Die Erklärungen der Natur
sind für die Kinder als

Klobunzeleweg
und für die Erwachsenen
als Terra Nostra gestaltet

worden.

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Station 1:
Klobunzele und Kuhstallweiher
Obwohl der Weiher sicher bereits für die am Ufer wohnenden Römer eine wichtige Rolle gespielt hat, wird er erst im Jahr 1602 als „Küestell Weicher“ schriftlich erwähnt. Kühstall bezeichnet die Stelle, an der das Vieh zusammengetrieben oder eingestellt wurde. Schon im 16. Jahrhundert war er im Besitz der Bauern aus Kohlhunden. Kurfürst Clemens Wenzeslaus veranstaltete hier gegen Ende des 18. Jahrhunderts große Treibjagden, wobei das Wild teilweise mit langen Netzreihen in den See getrieben und dort bequem abgeschossen wurde.
Wie stark das Gewässer in den letzten 150 Jahren verlandete,
zeigt der Kartenvergleich von 1850 und jetzt.
 Klobunzele und Kuhstallweiher
Rörmerbad Marktoberdorf Kohlhunden (Museum)



Die Anlage kann zu jeder Zeit besichtigt werden,
da derSchutzbau rundum verglast ist. Die
Experten des Fördervereins bieten genauere
Informationen bei Ihren Führungen zu den
festen Öffnungszeiten - jeweils Sonntag 10-12°°

(während des Winters nur nach voheriger telefonischer Absprache).
Rörmerbad Marktoberdorf Kohlhunden (Museum)
Römische Sonnenuhr - gefräste Rillen in der Strasse für die Stundenanzeige Links: Station 2:

Römische Sonnenuhr - gefräste Rillen in der Strasse für die Stundenanzeige

Für das Alltagsleben der Römer genügte eine ungefähre Zeiteinteilung, so dass eine Zeitangabe in Stunden genügte.
Dafür wurde eine Vielzahl verschiedener Sonnenuhren entwickelt, die auf öffentlichen Plätzen, an Villen, in Badeanlagen und an Heiligtümern angebracht waren. Allein im römischen Pompeii wurden 35 Sonnenuhren gefunden.

Es gab Horizontalsonnenuhren, Vertikalsonnenuhren, Hohlkugelsonnenuhren, Kegelsonnenuhren, Zylindersonnenuhren und Vielfachsonnenuhren. Selbst tragbare Sonnenuhren sind in unterschiedlichsten Ausführungen bekannt.
Station 3:

Grundmoränenlandschaft

Während der Eiszeiten in den letzten 1 bis 2 Millionen Jahren war es bei uns bis zu 12°C kälter als heute, sodass die Gletscher in den Alpen wuchsen und sich weit nach Norden ausbreiteten. Dabei haben sie riesige Mengen an alpinem Gesteinsschutt mittransportiert, der dann in Form von Moränen angehäuft oder als Grundmoräne unter dem Gletscher vergraben wurde. In der letzten Eiszeit, der Würmeiszeit vor etwa 20.000 Jahren, hatte der Wertachgletscher seine größte Ausdehnung und reichte bis Kaufbeuren.

Damals war das heutige Kohlhunden von einer gut 200 Meter dicken Eisschicht bedeckt.
Als es wieder wärmer wurde und der Gletscher schmolz, blieben die Moränen als Wälle und Buckel zurück, die heute noch unsere Landschaft prägen. Die am Gletscherrand austretenden Schmelzwässer sammelten sich in Eisrandseen und transportierten den Gletscherschutt aus Kies, Sand und Schlamm in Richtung Wertach ab. Das in den Tälern abgelagerte Geröll kann heute an manchen Stellen in Kiesgruben als wertvoller Rohstoff abgebaut werden.

Das Schmelzwasser des bei Kühmoos liegenden Gletscherrands fand seinen Abfluss nur über eine Lücke im Molassehöhenzug bei Kohlhunden. Da Moränen auch nach Norden hin den Abfluss versperrten, musste sich der Fluss seinen Weg erst Richtung Ettwieser Weiher bahnen, um dort wieder nach Norden umzubiegen. Noch heute zeichnet das Ettwieser Bächlein den eiszeitlichen Schmelzwasserfluss nach.
Station 4:

Ambassau und Paulin Probst

Auf dieser Hochfläche sieht man außerhalb des Waldes die Teufelseiche. Dort befand sich im Mittelalter die inzwischen verschwundene Siedlung Ambassau. Hier lebte Paulin Probst, der im Jahr 1525 während des Bauernkrieges zu Berühmtheit gelangte.

Als Hauptmann des „Oberdorfer Haufens“ versammelte er am 24. Februar 1525 immerhin 8000 Bauern um sich und ließ in Oberdorf den Pfarrhof, die Kirche und das Schloss plündern. Weitere Plünderungen und Zerstörungen folgten, wobei seine Gefolgschaft auf 23.000 Bauern stieg.
Ambassau und Paulin Probst
Im Juli des gleichen Jahres kam es bei Leubas im Illertal zur entscheidenden Schlacht gegen das schwäbische Bundesheer. Nach der völligen Niederlage der Bauern floh Paulin Probst in die Schweiz. Einige Jahre später durfte er jedoch straffrei zurückkehren. Nach einer Reihe von weiteren Friedbrüchen, Geld- und Gefängnisstrafen wurde er 1550 schließlich zum Tode verurteilt und hingerichtet

Station 5: Der Ettwieser Weiher
Der Ettwieser Weiher
Wie und wann in Ettwiesen ein Weiher entstanden ist, wissen wir nicht genau. Erstmals urkundlich erwähnt wird Ettwiesen 1299. Den Weiher gab es zu jener Zeit auch schon, da für das Fischen im „See zu Ettwiese“ eine Gült, d.h. Pacht, an das Hochstift Augsburg bezahlt werden musste. Bevorzugt wurde der Karpfen gezüchtet, den schon die Römer von Asien nach Europa brachten.

Der ursprüngliche Zweck des Weihers bestand in der Wasserrückhaltung und er diente den Oberdorfern zur Bewässerung und als Löschwasserreservoir. Gespeist wurde der Weiher über einen aus dem Kohlhundener Bach abgezweigten Gießgraben.

1554 erwarb Hans Christoph von Brandenburg die 2 Güter samt dem Weiher in Ettwiesen. 20 Jahre später gab es Ärger, als Brandenburg widerrechtlich den Teich höher aufstaute und „den Gießgraben verwuhrt“, d.h. dort einen weiteren Damm gebaut hat.
Dadurch sind die umliegenden Mähder (Wiesen) ertränkt worden und Oberdorf wurde das Wasser „verhöbt“, obwohl es doch für die Gemeinde so lebenswichtig war.

Auf der Flurkarte von 1842 kann man den Damm noch deutlich erkennen. Seine Gestalt hat der Weiher in den letzten 160 Jahren kaum verändert, wie die aktuelle Luftaufnahme zeigt.

Heute ist der Ettwieser Weiher im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel und erfüllt als EU-Badesee hohe Anforderungen an die Wasserqualität.
Steinbruch vom Schloss Station 6:

Im Steinbruch

Wo wir heute stehen, lag vor rund 18 Millionen Jahren das tertiäre Schwäbische Molassemeer. Am Südufer des Meeres ragten bereits die Alpen in die Höhe. Durch die letzte Faltung der Alpen von 10 Millionen Jahren wurden auch die etwa 300 Meter dicken Ablagerungen des Meeres, welche wir heute als Obere Meeresmolasse bezeichnen, zusammengeschoben und nach oben aufgebogen. Einer der steil aufgerichteten Ränder zieht sich heute als Hügelkette aus hartem Sandstein vom Beerberg bei Schwenden bis nach Settele am Auerberg.
Das Molassemeer enthielt Salzwasser, war verhältnismäßig warm und daher von einer artenreichen Fauna bewohnt. So finden wir im Sandstein Schnecken- und Muschelschalen, darunter auch Austern, die sich am Meeresgrund abgelagert haben und versteinert sind. Mit viel Glück kann man sogar Zähne von Haien entdecken.

An den Oberseiten einiger Sandsteinplatten kann man sogenannte Rippelmarken sehen, die wir von flachen Sandstränden am Meer kennen. Früher wurde der Sandstein hier im Steinbruch als Baumaterial abgebaut und zum Beispiel für die Grundmauern des Marktoberdorfer Schlosses verwendet. Auch die Fundamente des Römerbads in Kohlhunden sind aus dem gleichen Baustein.
Die Kindle-Wallfahrt
Station 7: Die Kindle-Wallfahrt

An dieser Stelle im Ettwieser Wald befindet sich seit Jahrhunderten ein altes Baumheiligtum. An eine besonders alte Tanne – die sogenannte Kindletanne – wurden große Mengen Votivgaben angebracht. Aus dem Jahre 1855 berichtet Landrichter Fischer, dass an diesem Baum über ein Dutzend Tafeln sowie Papierbilder und über 30 hölzerne Kreuze angebracht waren. Die älteste noch erhaltene Votivtafel stammt aus dem Jahre 1696 und befindet sich jetzt im Stadtmuseum.

Mehrere Sagen ranken sich um diesen Ort. So sollen hier vermisste Kinder wohlbehalten wieder gefunden worden sein und entlaufene Pferde ließen sich hier willenlos wieder einfangen. Die Bannwirkung dieses Ortes wird immer wieder erwähnt.Dieser Ort gehört zu den seltenen Kindle – Wallfahrten in Bayern und es hat sich ein ungewöhnlicher Brauch entwickelt. Wenn Kinder krank sind, opfert man hier noch heute Kleidungsstücke des kranken Körperteiles und hängt sie an den Baumstamm vor der Kapelle.1971 baute der Heimatverein die alte, baufällige Kapelle neu und stellte einen astigen Baumstamm als Ersatz für die alte Tanne auf.
lebende Tradition Die zahlreichen dort hängenden Kinderkleidungsstücke belegen die Lebendigkeit dieser Wallfahrt.
Die Kindle-WallfahrtKirche
Station 8: Der Klang des Waldes

Die Stimmung im Wald hatte auf die Menschen schon immer eine besondere Wirkung. Spüre den Klang des Waldes! Das Rascheln im Laub, das Klettern des Eichhörnchens, das Zwitschern der Meisen, das Säuseln des Windes, das Schrecken der Rehe, das Knarzen der Äste, das Klopfen eines Spechtes, das Summen der Bienen, das Pfeifen einer Maus, das Hören der Stille.
Der Klang des Waldes wird getrommelt
Nur wer sich Zeit nimmt, hört den Flügelschlag eines Falters.
Gleichgewicht im Umweltsysttems Station 9:

Gleichgewicht im Umweltsysttems

Unser Wald wird schon sehr lange vom Menschen als Rohstofflieferant genutzt. Die Römer haben damals schon die Tanne als Bauholz geschlagen und auch nach Norden exportiert.

Steigender Holzverbrauch führte vor über 250 Jahren zum Gedanken der Nachhaltigkeit:

- Nicht mehr Holz verbrauchen, als nachwächst.

- So viel Holz produzieren, wie gebraucht wird.

Dies war die Geburt der Forstwirtschaft, die heute neben der ökonomischen Nutzung die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes gewährleistet.

Die heutige Waldfläche muss zur CO2 – Senkung erhalten und erweitert werden, um der Klimaerwärmung entgegenzusteuern
Vernetzung Vernetzung - Ohne Faulbaum gibt es keinen Zitronenfalter!
Station 10: Vernetzung

Unsere Lebensräume sind das Ergebnis von vielfältigen Beziehungen und Vernetzungen der Lebewesen untereinander. Manche Verbindungen erscheinen beliebig, die meisten Verflechtungen sind aber absolute Bedingung für die Existenz einer Art. Der Zitronenfalter legt im Frühjahr seine Eier hier im Faulbaum, die geschlüpften Raupen fressen die Blätter des Strauches und verpuppen sich. Der Falter schlüpft im Juli und fliegt bis in den Herbst, um dann in der Bodenstreu zu überwintern.

Ohne Faulbaum gibt es keinen Zitronenfalter!

Am Waldrand Am Waldrand
Station 11: Am Waldrand

Kohlhunden taucht erstmals im Jahre 1366 urkundlich auf und wird damals noch als „Gozbrehtsried“ bezeichnet. Dieser Name leitet sich vom Personennamen „Godaberth“ ab.
1451 nannte man den Ort „Goßwalsried“ und gleichzeitig wird als Bewohner ein Mann namens Kohlhund genannt.
1508 wird die Siedlung als „Gotzpatzried, genannt Kohlhunden“ bezeichnet. Um diese Zeit geriet der bisherige Name in Vergessenheit und fortan erscheint nur noch der Name Kohlhunden, als Ableitung vom Personennamen Kohlhund. Dieser Personenname erscheint im Ostallgäu bereits seit dem 14. Jahrhundert.
Man sagt, der Ort wäre im 30jährigen Krieg völlig ausgestorben. 1650 sind wieder 5 Bauern nachweisbar und 1790 bereits 8.
Die südseitige trockene Lage, der Wasserreichtum und die teils humusreichen Böden ringsum bedeuteten schon immer gute Siedlungsbedingungen.
Hemeinde Kohlhunden
Die Gemeinde Kohlhunden bei Marktoberdorf, die dem Museum seinen Namen gegeben hat. Der Weg für Kinder heisst "Klobunzeleweg" und hat kindgerechte Erklärungen der Landschaft und ihrer Besonderheiten.
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